Ausbildungssamstag „Technische Rettung nach Verkehrsunfällen“

Zu einem Ausbildungsdienst trafen sich Mitglieder des Löschbezirks Hassel am Samstag, den 08. April auf dem Marktplatz. An einem Kleinwagen übten die Feuerwehrangehörigen das Sichern und Stabilisieren von Unfallfahrzeugen in Normal-, Seiten- und Dachlage, des Weiteren konnten diverse Zugangs- und Befreiungstechniken mit verschiedensten Werkzeugen geübt werden.

Technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen war das Leitthema eines Ausbildungssamstages der Hasseler Feuerwehr.

Nach einigen grundlegenden Informationen über das taktische Vorgehen, die Aufgabenverteilung und Besonderheiten zum Einsatzspektrum „Verkehrsunfall“, wie beispielsweise Sicherheitssysteme an modernen PKW oder alternative Antriebstechniken ging es direkt in die Praxis über: Im ersten Praxisteil wurde das Sichern und Stabilisieren von Unfallfahrzeugen geübt.

Ein Unfallfahrzeug wurde mit Keilen und durch Ziehen der Handbremse gegen Wegrollen gesichert, das Stabilisieren durch Unterbauen mit Rüstholz wird eingeleitet.

Auch hier gibt es Besonderheiten zwischen älteren und modernen PKW: Wo man bei älteren Modellen das Fahrzeug neben Festkeilen durch Ziehen der Handbremse und Abziehen des Zündschlüssels gegen Wegrollen sicherte, hat man bei modernen Fahrzeugen oft nur noch einen Taster für die Betätigung einer elektrohydraulischen Feststellbremse und bei Abziehen des Zündschlüssels wird der oft schwerst verletzte Patient, welchen man eigentlich durch das Stabilisieren vor unkontrollierten Erschütterungen am Fahrzeug schützen möchte, plötzlich durch die Memory-Funktion des Sitzes in die Ausstiegsposition verfahren.

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Anschließend wurden verschiedene Zugangs- und Befreiungstechniken ausprobiert. Entgegen der landläufigen Meinung muss zur schonenden bzw. achsengerechten Befreiung des Patienten das Dach des Fahrzeuges nicht immer entfernt werden. Einerseits bringt dies den Rettungskräften den größtmöglichen Platzgewinn für die achsengerechte Rettung der eingeklemmten Insassen, andererseits dient das Dach auch dem Schutz des Patienten gegen Auskühlen, Niederschlag, Arbeitslärm und auch vor Schaulustigen und durch die in modernen Fahrzeugen verbauten hochfesten Säulen, verklebten Scheiben und versteckten Sicherheitskomponenten in den Holmen wird das Entfernen des Daches immer kraft- und zeitaufwändiger. Hier sollte durch den Einsatzleiter eine kritische Abwägung der Vor- und Nachteile erfolgen und es darf nicht generell von der Entfernung des Daches ausgegangen werden.

Begriff „patientengerechtes Retten“

Die patientenorientierte Rettung ist das lageabhängig richtige Verhältnis zwischen einer möglichst schnellen bzw. möglichst schonenden Rettung des Patienten.

Denn eine schonende Rettung benötigt wegen den zusätzlichen Maßnahmen am Fahrzeug und für die Stabilisierung des Patienten entsprechend viel Zeit, während eine schnelle Rettung zwar in sehr kurzer Zeit über die Bühne gehen kann, aber durchaus weniger schonend für den Patienten ist.

Daher wird in enger Absprache mit Notarzt bzw. Rettungsdienst immer, auch unter Beachtung des sich ggf. verändernden medizinischen Zustandes, die für den Patienten  bestmöglichste Taktik angewandt.

Bei Fahrzeugen lässt sich auf vielfältige Weise ein Spalt zum Ansetzen des Spreizers erzeugen, hier beispielsweise durch Greifen des Fensterrahmens mit der Spreizerspitze…
…und Verdrehen um die eigene Achse.

Oftmals ist zur patientengerechten Rettung die große Seitenöffnung schon ausreichend. Hierbei wird durch Entfernen der hinteren und vorderen Seitentür sowie des B-Holmes eine oft ausreichend große Befreiungsöffnung geschaffen, bei Dreitürern wird dasselbe durch das Schaffen der „dritten Tür“ in der Fahrzeugseite erreicht.

Aufspreizen der deformierten Fahrertür durch den Angriffstrupp,
die Tür wurde geöffnet, der Ausbilder hat die Schnittpunkte markiert.
Entfernen der kompletten Tür
Durchtrennen der B-Säule und Einschneiden der markierten Stellen
Durch Umbiegen der eingeschnittenen Seitenwand mit dem Spreizer wurde eine große Zugangs- und Befreiungsöffnung geschaffen.

Noch einfacher kann die achsengerechte Rettung beim sogenannten „Tunneln“ durch das geöffnete Fahrzeugheck erfolgen. Auch gerade bei Fahrzeugen mit Stufenheck bietet es sich an, lediglich die bereits vorhandene Öffnung der Heckscheibe mit einem Spreizer etwas zu vergrößern um den Patienten möglichst schonend zu retten.

Insbesondere wenn das Fahrzeug nicht mehr auf allen vier Rädern steht, muss hier oft umgedacht und lageabhängig die effizienteste Technik eingesetzt werden.

Ziehen des Pedals im Fußraum mittels Bandschlinge und Spreizer.
„Glasmanagement“: Die Frontscheibe besteht aus Verbundsicherheitsglas (VSG). Dies besteht aus zwei, mit einer Folie verbundenen Glasscheiben, damit die Scheibe nicht komplett zerspringen kann. Da beim Schneiden der Frontscheibe mit der Glassäge feiner Glasstaub entsteht werden die Partikel mit etwas Wasser aus der Sprühflasche gebunden.
Unter Umständen kann auch der Blechaufreißer zum Durchtrennen der Verbundglasscheibe verwendet werden. Dabei entstehen nur gröbere Glassplitter.

Auch die eingesetzte Technik ist entscheidend: Es muss nicht immer Schere, Spreizer und Rettungszylinder sein!

Auch Brech- und Hebelwerkzeuge wie Brech- und Nageleisen oder Halligan-Tool können zum Schaffen von Öffnungen genutzt werden. Mit dem Blechaufreißer (einer Art überdimensionierter Dosenöffner) kann erstaunlich schnell von Hand eine -auch großflächige- Öffnung in das Fahrzeugdach oder den Fahrzeugboden geschnitten werden. Die Säbelsäge kann lange oder großflächige Schnitte zügig durchführen. Die Rettungssäge (eine Handkreissäge, bei welcher sich zwei hartmetallbestückte Sägeblätter mit geringem Abstand gegenläufig drehen) erlaubt das Sägen von Metall, Verbundstoffen und anderen Materialien, die mit einer gewöhnlichen Säge nicht oder nur mit starkem Geräteverschleiß gesägt werden können, beispielsweise Blechdächer, Sandwichelemente, Nägel in Holz, Papier, Karosserieteile, Kunststoffe oder Glas.

Und ein einfacher Gummi- oder Softball aus dem Spielwarenhandel, der unter den Türgriff gesteckt wird verhilft zu einer wesentlich einfacheren Zugangsöffnung. Da das Türschloss durch den Ball freigegeben wird, muss dieses nicht zusätzlich zur verformten Tür aufgespreizt werden. Dadurch kann man zum einen wertvolle Zeit sparen und zum anderen werden zusätzlicher Lärm und Erschütterungen am Fahrzeug vermieden. Das Öffnen der Tür wird dadurch wesentlich patientenschonender und das ohne zusätzlichen Zeitaufwand!

Herstellen einer Dachöffnung mit dem Blechaufreißer…
…oder der elektrischen Säbelsäge.

Und falls Sie auch Interesse daran gefunden haben, Autos kleinzuschneiden:

Interesse? Mach mit!

Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind übrigens herzlich eingeladen, sich die Arbeit Ihrer Feuerwehr auch mal näher zu betrachten: Ausbildungsabende finden jeden Montag ab 19 Uhr statt.
Weitere Infos, Bilder, Termine und Ansprechpartner finden Sie auch unter www.feuerwehr-hassel.de.
Alternativ können Sie uns auch über das Kontaktformular erreichen.