Am Sonntag, 15. März gastierte erstmals das Chawwerusch-Theater aus Herxheim in der Kirche Herz Jesu Hassel. Zur Aufführung kam das Theaterstück JUDAS– ein Solo-Stück von Lot Vekemans in der Inszenierung von Ro Tritschler. Ben Hergl stellte in der aussergewöhnlichen Aufführung die Person des Apostels Judas dar, diese Person, durch deren Handlung die Welt- und Kirchengeschichte mit beeinflusst wurde. Seit 2000 Jahren wird Judas für Jesu Tod am Kreuz verantwortlich gemacht, gilt als Inbegriff des Verräters und wurde immer wieder als Begründung für Vorurteile und Antisemitismus in jeder Form missbraucht.
Im Verlauf des Theaterstücks sinnierte Judas über sich, seine Motive zur Tat – der Verrat von Jesus von Nazareth und seine Auslieferung an die von den Hohenpriestern ausgesandte Truppe -, aber auch über seine Bedenken und Zweifel über die Richtigkeit seiner Vorgehensweise. Dabei fokussierte er in einem Monolog den Blick auf eine zerrissene Persönlichkeit.
„Wie hätten Sie sich entschieden, in meiner Situation“, diese Frage richtete er, Judas, hilfesuchend an die Zuschauer und versuchte sich in Erklärungen, die bisherige Überlieferungen des Judaskusses in Frage stellen und provokante Aussagen über die Beweggründe zulassen.
Er überlegte, wie er sich plötzlich als Verursacher eines Geschehens wiederfand, dessen Ausgang er nicht für möglich gehalten hätte. Denn „woher sollte ich denn wissen, dass es so viel Hass gab, so viel Wut, so viel Enttäuschung …, von allem so viel!“ Hass und Wut gab es auch noch zu anderen Zeiten reichlich. So wurde die scheinbar so abgrundtief niederträchtige Tat des Verrats immer wieder mit einem ebenso durch und durch bösen Charakter von Judas begründet. Und damit nicht genug. Nicht nur er selbst soll dämonisch böse und voller Niedertracht gewesen sein, die christliche Welt übertrug diese Eigenschaften gleich auf das ganze jüdische Volk. Das war letztlich der Ausgangspunkt für eine Form des Antisemitismus, der bis heute andauert.
In der sich anschließenden Nachbesprechung des Stücks mit Ben Hergl wurde unter der Moderation von Pfarrer Alexander Klein rege über die Person Judas diskutiert und Fragen aus dem Publikum beantwortet. Kommentare verschiedener Besucher waren sich einig, dass die Aufführung ihnen einen neuen Blick auf die Person des „Verräters“ Judas ermögliche.
Nach langanhaltendem Beifall bedankte sich Pfarrer Klein abschliessend bei Ben Hergl und seinem Team vom Chawwerusch Theater für die beeindruckende Vorführung sowie bei Michaela Osthof und dem Team vom Gemeindeausschuss Hassel für die gelungene Vorbereitung und Organisation der Veranstaltung.